Du musst nicht erst eine Krise haben
- amhagenkoetter
- 29. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Du musst nicht erst zusammenbrechen, um dir Begleitung zu erlauben.
Viele Menschen suchen Unterstützung erst dann, wenn nichts mehr geht. Wenn die Erschöpfung zu groß geworden ist. Wenn Konflikte eskalieren oder das Leben aus den Fugen gerät. Als wäre Begleitung etwas, das man sich erst verdienen müsste.
Ich sehe das anders.
Denn ich gehe nicht davon aus, dass mit dir etwas nicht stimmt. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass bereits alles Wesentliche in Dir angelegt ist. Die Fähigkeit, gute Entscheidungen zu treffen. Dich zu entwickeln. Deinen eigenen Weg zu finden. Manchmal ist der Zugang dazu nur verschüttet – unter Erwartungen, Routinen, Erschöpfung oder alten Erfahrungen.
Ein Coaching ist deshalb für mich keine Reparaturwerkstatt. Es ist ein Raum, in dem du dir wieder selbst begegnen kannst.
Der hypnosystemische Therapeut Gunther Schmidt formulierte einmal sinngemäß einen Gedanken, den ich sehr mag: Die meisten Menschen kommen auch ohne Therapie oder Coaching durchs Leben. Aber sie könnten es sich einfach einmal gönnen. Nicht, weil sie versagt haben. Sondern weil es das Leben leichter, bewusster und reicher machen kann.
Dieser Gedanke berührt mich.
Denn wir Menschen leben heute oft weit entfernt von den Bedingungen, für die wir eigentlich gemacht sind. Über Jahrtausende waren wir eingebunden in Gemeinschaften. Es gab Menschen mit Lebenserfahrung in unserer Nähe, die man um Rat fragen konnte. Man war Teil eines Dorfes, einer Familie, einer Landschaft. Man verbrachte Zeit in der Natur, teilte Verantwortung, Geschichten und Rituale. Niemand musste alles allein wissen oder allein tragen.
Heute dagegen verbringen viele von uns den Großteil ihres Lebens zwischen Terminen, Bildschirmen und Leistungsdruck. Wir sollen gleichzeitig erfolgreich, gelassen, liebevoll, gesund, organisiert und glücklich sein – und das möglichst eigenständig.
Vielleicht ist es deshalb gar nicht erstaunlich, dass wir uns manchmal von uns selbst entfernen.
Ich verstehe Coaching als eine kleine Rückkehr zu etwas sehr Menschlichem: innehalten, gemeinsam hinschauen, neue Perspektiven entdecken und sich daran erinnern, was bereits da ist. Nicht, weil du ohne Begleitung nicht zurechtkämst. Sondern weil niemand dafür gemacht ist, alles allein mit sich selbst auszumachen.
Besonders draußen in der Natur, gemeinsam mit den Pferden und den anderen Tieren auf unserem Hof, entsteht oft etwas, das im Alltag selten geworden ist: Weite. Ruhe. Echtes Wahrgenommenwerden. Die Natur bewertet nicht. Die Tiere erwarten keine Perfektion. Sie reagieren auf Echtheit – und laden uns ein, selbst wieder echter zu werden.
Vielleicht ist genau das eine Form von „artgerechtem Menschsein“: in Beziehung sein. Sich Zeit nehmen. Sich spiegeln lassen. Sich entwickeln, ohne sich erst beweisen zu müssen.
Coaching ist deshalb aus meiner Sicht kein Zeichen von Schwäche. Es ist eine Entscheidung für Wachstum. Für Selbstfürsorge. Und für die Bereitschaft, dem eigenen Leben mit etwas mehr Aufmerksamkeit und Freundlichkeit zu begegnen.
Denn manchmal braucht es keine Krise, um sich Unterstützung zu erlauben. Manchmal reicht der Wunsch, das eigene Leben nicht nur zu bewältigen, sondern wirklich zu gestalten.
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